Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen in den USA ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten gefallen. Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), der zentralen Gesundheitsbehörde der USA, ist der Anteil der Highschool-Schüler, die aktuell Cannabis konsumieren, in den vergangenen zehn Jahren um rund 60 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum hat fast die Hälfte aller US-Bundesstaaten einen regulierten Markt für Erwachsene eingeführt. Das ist relevant, weil das Argument „Legalisierung verführt die Jugend“ zu den häufigsten Einwänden gegen jede Reform gehört. Die Daten stützen es nicht.
Was die CDC-Daten über US-Schüler zeigen
Die Zahlen stammen aus dem Youth Risk Behavior Surveillance System (YRBS). Das ist ein Überwachungsprogramm der CDC, das regelmäßig das Gesundheitsverhalten von Highschool-Schülern erfasst. Als aktuelle Konsumenten gelten dabei Jugendliche, die in den 30 Tagen vor der Befragung Cannabis genutzt haben.
Ausgewertet und veröffentlicht hat die Daten die Reformorganisation NORML. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Anteil jugendlicher Konsumenten ist so niedrig wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig regulieren fast 50 Prozent der Bundesstaaten den Adult-Use-Markt, also den legalen Verkauf von Cannabis an Erwachsene ohne medizinisches Rezept.
„Sensationelle Behauptungen, dass Legalisierungsgesetze für Erwachsene mit mehr Marihuana-Konsum bei Teenagern verbunden sind, werden von verlässlichen Daten schlicht nicht gestützt.“ – Paul Armentano, stellvertretender Direktor von NORML
Die CDC steht mit diesem Befund nicht allein. Erhebungen der University of Michigan und der US-Behörde SAMHSA (Substance Abuse and Mental Health Services Administration) kommen zum selben Ergebnis. Eine Analyse des Marijuana Policy Project zeigt außerdem, dass der Teenager-Konsum in fast jedem Bundesstaat mit reguliertem Markt zurückgegangen ist.
Warum Regulierung und Jugendschutz zusammenpassen
Ein zeitliches Zusammentreffen ist noch kein Beweis für Ursache und Wirkung. Das gilt für beide Seiten der Debatte. Die Daten widerlegen aber klar die These, dass legale Märkte automatisch mehr junge Konsumenten erzeugen. Dafür gibt es mehrere plausible Erklärungen:
- Alterskontrolle: Lizenzierte Shops müssen Ausweise prüfen und riskieren bei Verstößen ihre Lizenz. Ein Straßendealer fragt nach keinem Ausweis.
- Verdrängung des Schwarzmarkts: Je größer der legale Markt wird, desto kleiner wird der unregulierte Markt. Dort hatten Minderjährige bisher den leichtesten Zugang.
- Weniger Reiz des Verbotenen: Was als normales, reguliertes Erwachsenenprodukt gilt, verliert für manche Jugendliche an rebellischer Anziehungskraft.
- Prävention aus Steuermitteln: Viele Bundesstaaten finanzieren mit Cannabissteuern Aufklärungsprogramme.
Für uns als Samenbank ist das kein Randthema. Cannabis ist ein Produkt für Erwachsene, und das gilt auch für unsere Samen. Verantwortung gehört für uns genauso zum Growen wie gute Genetik.
Deutschland: Erste Zahlen nach der Legalisierung
Auch in Deutschland zeigt der Trend nach unten. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hat die Drogenaffinitätsstudie 2025 veröffentlicht. Diese regelmäßig durchgeführte Repräsentativbefragung erfasst den Substanzkonsum junger Menschen. Von April bis Juli 2025 wurden 7.001 Personen zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Verglichen wurden die Ergebnisse mit einer ähnlichen Erhebung aus dem Zeitraum April bis Juni 2023, also vor der Teillegalisierung.
| Kennzahl (12- bis 17-Jährige) | 2023 | 2025 |
|---|---|---|
| Konsum in den letzten 12 Monaten | 6,7 % | 6,1 % |
| Regelmäßiger Konsum (mehr als 10-mal in 12 Monaten) | 1,3 % | 1,1 % |
Die Veränderungen sind moderat, aber sie zeigen in die richtige Richtung. Der befürchtete Anstieg nach der Gesetzesänderung ist bei Minderjährigen ausgeblieben. Eine separate Untersuchung kam zudem zu dem Ergebnis, dass die deutsche Legalisierung nicht mit Veränderungen beim starken Konsum („Heavy Use“) verbunden ist. Zwei Jahre sind ein kurzer Beobachtungszeitraum. Die bisherigen Daten passen aber zum Bild aus den USA: Regulierung muss den Jugendschutz nicht schwächen.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Cannabiskonsum von Jugendlichen in den USA wirklich gesunken?
Ja. Laut CDC-Daten aus dem Youth Risk Behavior Surveillance System ist der Anteil der Highschool-Schüler, die aktuell Cannabis konsumieren, in zehn Jahren um rund 60 Prozent gefallen. Damit liegt er auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Erhebungen der University of Michigan und der Behörde SAMHSA bestätigen diesen Rückgang unabhängig davon.
Beweisen die Daten, dass Legalisierung den Jugendkonsum senkt?
Nein, ein direkter Ursachennachweis ist das nicht. Die Zahlen zeigen, dass der Konsum gesunken ist, während viele Bundesstaaten regulierte Märkte für Erwachsene eingeführt haben. Damit ist die Behauptung widerlegt, Legalisierung führe zwangsläufig zu mehr Konsum bei Teenagern. Welche Faktoren den Rückgang genau verursachen, muss weitere Forschung klären.
Wie entwickelt sich der Jugendkonsum in Deutschland seit der Legalisierung?
Die Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt einen leichten Rückgang. Bei den 12- bis 17-Jährigen sank der Anteil derjenigen, die in den letzten zwölf Monaten konsumiert haben, von 6,7 auf 6,1 Prozent. Der Anteil regelmäßiger Konsumenten fiel von 1,3 auf 1,1 Prozent. Einen Anstieg nach der Reform gab es bisher nicht.
Warum können legale Märkte Minderjährige besser schützen?
Lizenzierte Verkaufsstellen müssen das Alter ihrer Kunden prüfen und riskieren bei Verstößen ihre Lizenz. Auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Ausweiskontrolle. Wenn legale Angebote den illegalen Handel verdrängen, wird es für Jugendliche schwieriger, an Cannabis zu kommen. Hinzu kommen Präventionsprogramme, die oft aus Cannabissteuern finanziert werden.
Was bedeutet „aktueller Konsum“ in den CDC-Erhebungen?
Als aktuelle Konsumenten gelten im Youth Risk Behavior Surveillance System Schüler, die in den 30 Tagen vor der Befragung mindestens einmal Cannabis genutzt haben. Diese Kennzahl bildet den gegenwärtigen Konsum ab und nicht frühere Erfahrungen. Deshalb eignet sie sich gut, um Trends über mehrere Jahre hinweg zu vergleichen.




