Cannabissamen lagerst du richtig, wenn sie kühl, dunkel, trocken und möglichst luftdicht liegen. Für kurze Zeiträume genügt eine dunkle Schublade mit stabiler Temperatur. Für mehrere Jahre gehören sie mit einem Trockenmittel in einen verschlossenen Behälter in den Kühlschrank. Hältst du diese Bedingungen ein, keimen deine Samen auch nach bis zu fünf Jahren noch zuverlässig.
Jeder Samen trägt eine komplette Pflanze in sich: ihre Genetik, ihr Terpenprofil und ihr Ertragspotenzial. Wer Samen falsch aufbewahrt, verschenkt all das, bevor die erste Wurzel überhaupt Erde gesehen hat. Wir bei Shottas Seeds stecken viel Zeit in die Selektion jeder einzelnen Sorte. Da wäre es schlicht schade, wenn diese Arbeit in einer feuchten Garage oder auf einer sonnigen Fensterbank verpufft. Samen richtig zu lagern, ist zum Glück einfach, wenn man die paar Grundregeln kennt.
Cannabissamen sind lebendig, auch wenn sie ruhen
Die harte Schale täuscht. Ein Cannabissamen wirkt robust, fast unzerstörbar, und die Natur hat ihn tatsächlich dafür gebaut, wechselnde Bedingungen zu überstehen. Unverwundbar ist er trotzdem nicht. Viele Grower vergessen, dass Samen lebende Organismen sind.
Vor der Keimung befindet sich ein Samen in der Dormanz. So nennt man einen Ruhezustand, in dem der Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren ist, ähnlich wie bei Tieren im Winterschlaf. Im Inneren liegt der Embryo, also die angelegte Keimpflanze mit Keimwurzel und Keimblättern. Er ist umgeben von Nährstoffreserven, die ihn beim Keimen versorgen, bis er selbst Photosynthese betreiben kann.
Auch im Ruhezustand verbraucht der Samen langsam Energie, und wie jedes Lebewesen kann er sterben. Altern wird er also in jedem Fall. Offen ist nur, wie schnell. Hier setzt die richtige Lagerung an: Sie bremst den Stoffwechsel so stark wie möglich und schützt die Nährstoffreserven, bis du bereit bist, den Samen zu wecken.
Der Samen soll also so lange wie möglich ruhen und erst aktiv werden, wenn er in Wasser, Anzuchterde oder einen Steinwollwürfel kommt, und keinen Tag früher.
Die vier Feinde deiner Samen: Feuchtigkeit und Temperatur
Cannabissamen haben vier Hauptfeinde:
- Feuchtigkeit
- Temperatur
- Licht
- Sauerstoff
Die ersten beiden richten in der Praxis den größten Schaden an.
Feuchtigkeit: Staatsfeind Nummer eins
Feuchtigkeit ist die größte Bedrohung für gelagerte Samen, noch vor Temperatur, Licht und Sauerstoff. Samen sind hygroskopisch, sie nehmen also Wasser aus der Umgebungsluft auf, bis sich ihr Feuchtegehalt der Luft angeglichen hat. Steigt die Feuchtigkeit im Samen, passieren zwei Dinge. Erstens läuft der Stoffwechsel an, und der Samen verbraucht seine Reserven. Zweitens finden Pilze auf der Schale ideale Bedingungen. Schimmel an Samen bedeutet in fast allen Fällen das Aus für den Embryo.
Temperatur: Stabilität schlägt alles
Kälte verlangsamt den Stoffwechsel, Wärme beschleunigt ihn. Noch gefährlicher als eine gleichmäßig etwas zu warme Umgebung sind aber schnelle Temperaturwechsel. Sie signalisieren dem Samen, dass sich die Jahreszeit ändert, und er beginnt, Nährstoffe zu mobilisieren, die er eigentlich für die Keimung braucht. Landet er danach doch wieder im Schrank, sind diese Reserven verbraucht, und später fehlt ihm die Kraft zum Keimen. Außerdem führen Temperaturwechsel oft zu Kondenswasser, und damit sind wir wieder beim Staatsfeind Nummer eins.
Die vier Feinde deiner Samen: Licht und Sauerstoff
Licht und Sauerstoff richten weniger Schaden an als Feuchtigkeit und Temperatur, arbeiten aber leise und stetig gegen die Keimkraft deiner Samen.
Licht: ein falsches Startsignal
Licht ist für viele Pflanzensamen ein Umweltreiz, der Keimprozesse vorbereitet. Wird ein ruhender Cannabissamen regelmäßig Licht ausgesetzt, besonders direktem Sonnenlicht, reagiert er ähnlich wie auf Temperaturschwankungen: Er fährt den Stoffwechsel hoch und zehrt an seinen Reserven. Sonnenlicht bringt außerdem Wärme mit, die sich in transparenten Behältern schnell staut. Eine Fensterbank ist deshalb der denkbar schlechteste Aufbewahrungsort. Selbst das kurze Licht im Kühlschrank summiert sich über Monate, weshalb Samen dort in einem lichtdichten Behälter liegen sollten.
Sauerstoff: die schleichende Alterung
Auch im Ruhezustand atmet der Samen minimal. Dabei laufen Oxidationsprozesse ab, also chemische Reaktionen mit Sauerstoff, die Zellmembranen und die im Samen gespeicherten Öle langsam schädigen. Je mehr Luft im Behälter ist, desto mehr Sauerstoff steht für diese Reaktionen zur Verfügung, und desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft transportieren. Drück die Luft vor dem Verschließen deshalb so weit wie möglich aus dem Behälter oder vakuumiere ihn.
Für jede gute Lagerung gilt also: kühl, dunkel, trocken, luftdicht, und das möglichst konstant.
Luftfeuchtigkeit im Detail: Welche Werte deine Samen vertragen
Die relative Luftfeuchtigkeit (rLF) gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Wasserdampfmenge die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur enthält. Weil Samen ihren Feuchtegehalt an die Umgebungsluft anpassen, ist die rLF am Lagerort der wichtigste Einzelwert für ihre Haltbarkeit. Die Tabelle zeigt Richtwerte aus der Saatgutlagerung:
| Relative Luftfeuchtigkeit | Wirkung auf Cannabissamen | Eignung |
|---|---|---|
| unter 20–30 % | Stoffwechsel stark verlangsamt, kaum Pilzrisiko | ideal für die Langzeitlagerung |
| 30–50 % | langsame, aber messbare Alterung | in Ordnung für einige Monate |
| 50–70 % | Samen nehmen spürbar Wasser auf, Alterung beschleunigt sich deutlich | nur sehr kurzfristig akzeptabel |
| über 70 % | Stoffwechsel läuft an, Reserven werden verbraucht, Schimmel wird wahrscheinlich | ungeeignet |
| über 80–90 % | Pilzbefall, vorzeitige Keimversuche, Absterben des Embryos | zerstörerisch |
Ein normaler Wohnraum liegt je nach Jahreszeit oft zwischen 40 und 60 %. In Kellern, Badezimmern, Küchen und Growräumen sind 60 % und mehr keine Seltenheit. Deshalb reicht es für eine lange Lagerung nicht, Samen „einfach irgendwo trocken“ hinzulegen. Ein kleiner Beutel Trockenmittel im verschlossenen Behälter senkt die Feuchtigkeit im Inneren gezielt ab, egal wie feucht der Raum drumherum ist. Wer es genau wissen will, legt ein Mini-Hygrometer mit in die Box.
Die Faustregel für Temperatur und Feuchtigkeit
In Saatgutbanken weltweit hat sich eine einfache Faustregel bewährt, die auf den Pflanzenforscher James Harrington zurückgeht. Seine Beobachtungen lassen sich so zusammenfassen:
- Feuchte-Regel: Jedes Prozent weniger Feuchtegehalt im Samen verdoppelt ungefähr seine Lebensdauer. Das gilt in etwa im Bereich zwischen 5 und 14 % Samenfeuchte.
- Temperatur-Regel: Jede Absenkung der Lagertemperatur um etwa 5 °C verdoppelt die Lebensdauer ebenfalls ungefähr. Das gilt in etwa zwischen 0 und 50 °C.
- Summen-Regel: Temperatur in Grad Fahrenheit plus relative Luftfeuchtigkeit in Prozent sollten zusammen unter 100 liegen.
Im Alltag ist die Summen-Regel am praktischsten. Ein Beispiel: 21 °C entsprechen rund 70 °F. Bei 50 % rLF liegst du bei 120, also klar zu hoch für eine lange Lagerung. Im Kühlschrank bei etwa 5 °C (41 °F) und 30 % rLF in der Box kommst du auf 71. Genau dort willst du hin.
Die Regeln sind Näherungen, keine Naturgesetze. Sie zeigen aber gut, warum Kühlschrank plus Trockenmittel so wirkungsvoll ist: Die beiden Faktoren verstärken sich gegenseitig. Kühle allein hilft wenig, wenn die Samen in feuchter Luft liegen, und Trockenheit allein hilft wenig bei 28 °C im Dachgeschoss.
Kurzfristige Lagerung: Die richtige Schublade finden
Du willst deine Samen in den nächsten Wochen oder wenigen Monaten keimen lassen? Dann brauchst du weder Kühlschrank noch Vakuum. Ein dunkler Schrank oder eine Schublade mit stabiler Temperatur reicht in der Regel völlig aus.
Wichtig ist, welchen Raum du wählst. Meide alle Bereiche deiner Wohnung, die den natürlichen Temperaturschwankungen der Umgebung ausgesetzt sind. Gut geeignet sind Innenräume ohne direkte Sonneneinstrahlung, etwa ein Kleiderschrank im Schlafzimmer oder eine Kommode im Flur. Schlecht geeignet sind:
- Schuppen, Garage und Gartenhaus: In Regionen mit heißen Tagen und kühlen Nächten schwankt die Temperatur dort extrem.
- Dachboden: Im Sommer staut sich die Hitze, im Winter wird es kalt.
- Küche und Bad: Dampf, Wärme und wechselnde Luftfeuchtigkeit gehören hier zum Alltag.
- Growraum: Warme Lampen, hohe Luftfeuchtigkeit in der Wachstumsphase und schwankende Temperaturen zwischen Tag- und Nachtzyklus sind genau das, was deine Samen nicht wollen.
- Fensterbank und Nähe von Heizkörpern: Licht und Wärme in einem.
Lass die Samen so lange wie möglich in ihrer Originalverpackung. Sie ist dafür gemacht, den Inhalt bis zur Aussaat zu schützen, und sie verrät dir jederzeit, welche Sorte du vor dir hast. Nichts ist ärgerlicher als ein Häufchen unbeschrifteter Samen, bei dem du nicht mehr weißt, ob es sich um Photoperiode oder Autoflower handelt.
Langfristige Lagerung: Der Kühlschrank als Tresor
Wer Samen über Jahre aufbewahren möchte, etwa als Sammler, als Grower mit Vorrat für mehrere Runden oder als Züchter mit wertvollen Linien, kommt am Kühlschrank kaum vorbei. Die ideale Temperatur liegt dort bei etwa 2 bis 8 °C. Das ist kalt genug, um den Stoffwechsel stark zu bremsen, aber noch frostfrei.
Die Samen kommen zusammen mit einem Trockenmittel in einen dicht verschlossenen Behälter. Ein Trockenmittel ist ein Material, das Feuchtigkeit aus der umgebenden Luft bindet. Am verbreitetsten ist Silikagel, ein poröses Siliziumdioxid-Granulat, wie du es aus kleinen Beuteln in Schuhkartons oder Elektronikverpackungen kennst. Viele Silikagel-Sorten verfärben sich, wenn sie gesättigt sind. Dann heißt es: austauschen oder im Backofen bei niedriger Temperatur regenerieren. Notfalls funktioniert auch ein Löffel ungekochter Reis in einem Stück Küchenpapier, allerdings deutlich weniger zuverlässig.
Worauf du beim Kühlschrank achten solltest
- Türöffnungen sind Temperaturschocks. Jedes Öffnen lässt warme, feuchte Luft herein. Hast du einen Zweitkühlschrank, der seltener genutzt wird, ist er die bessere Wahl.
- No-Frost-Geräte bevorzugen. Sie halten die Luft im Innenraum trockener, weil sich keine Eisschicht bildet, die immer wieder antaut. Trockene Kühlschränke sind die besten Samenlager.
- Nicht in die Tür legen. Dort schwankt die Temperatur am stärksten. Hinten im mittleren Fach ist es am stabilsten.
- Weg vom Gemüsefach. Es ist bewusst feuchter gehalten, damit Salat nicht welkt. Für Samen ist das Gift.
Der richtige Behälter: luftdicht, lichtdicht, beschriftet
Der beste Kühlschrank bringt wenig, wenn die Samen offen im Butterfach liegen. Der Behälter ist deine zweite Verteidigungslinie. Am besten bleiben die Samen auch hier in ihrer Originalverpackung, die dann zusätzlich in einen luftdichten Behälter kommt.
Hast du eine Packung geöffnet und Samen übrig? Dann füll die restlichen Samen sofort in einen luftdichten Behälter um, nicht erst irgendwann später. So gehst du vor:
- Lege die übrigen Samen in einen kleinen, sauberen Zip-Beutel oder ein kleines Glasröhrchen.
- Gib einen kleinen Beutel Silikagel dazu, ohne dass das Granulat die Samen direkt berührt.
- Drücke beim Zip-Beutel die Luft vollständig heraus, bevor du ihn verschließt. So entsteht ein nahezu vakuumierter Behälter. Mit einem Vakuumiergerät geht es noch gründlicher.
- Beschrifte den Beutel mit Sorte, Typ (photoperiodisch oder Autoflower) und Lagerdatum.
- Stecke den Beutel in eine dunkle Plastiktüte oder eine lichtdichte Dose, damit ihn die Kühlschrankbeleuchtung nicht erreicht.
- Stelle den Behälter hinten ins mittlere Fach und lass ihn dort in Ruhe.
Ein Tipp aus der Praxis: Teile größere Vorräte auf mehrere kleine Behälter auf. Wenn du Samen entnimmst, öffnest du dann nur eine Portion, und der Rest bleibt ungestört trocken und kalt.
Samen im Gefrierschrank: sinnvoll oder übertrieben?
Ja, Cannabissamen lassen sich einfrieren. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Temperatur, desto langsamer altert der Samen. Professionelle Saatgutbanken lagern ihre Sammlungen deshalb bei etwa −18 °C.
Die meisten Grower müssen ihre Samen aber schlicht nicht einfrieren. Wer sie kühl, dunkel, trocken und luftdicht im Kühlschrank aufbewahrt, kann mit bis zu fünf Jahren guter Keimfähigkeit rechnen. Der Gefrierschrank hat dagegen eigene Risiken:
- Eiskristalle: Sind die Samen nicht ausreichend trocken, gefriert das Wasser in ihren Zellen. Die Kristalle können Zellwände zerstören und den Embryo irreparabel schädigen.
- Kondenswasser beim Auftauen: Öffnest du einen eiskalten Behälter in warmer Raumluft, schlägt sich sofort Feuchtigkeit auf den Samen nieder.
- Wiederholtes Auftauen: Jeder Wechsel zwischen Frost und Raumtemperatur ist Stress pur für die Samen.
Wenn du dich trotzdem für den Gefrierschrank entscheidest, zum Beispiel für ein wertvolles Sammlerstück, das über viele Jahre halten soll, dann halte dich an diese Regeln. Friere die Samen nur gut getrocknet und mit Silikagel ein, vakuumiert und in kleinen Einzelportionen. Nimm eine Portion erst heraus, wenn du sie wirklich keimen lassen willst. Lass den verschlossenen Behälter dann mehrere Stunden auf Raumtemperatur kommen, bevor du ihn öffnest. Und friere die Samen nie ein zweites Mal ein.
Lagerorte im Vergleich: Wie lange halten Cannabissamen?
Wie lange ein Samen keimfähig bleibt, hängt von Genetik, Reife und Qualität bei der Ernte ab, vor allem aber vom Lagerort. Die Tabelle stellt die gängigen Optionen gegenüber. Die Zeitangaben sind Richtwerte für gut ausgereifte, unbeschädigte Samen.
| Lagerort | Bedingungen | Realistische Lagerdauer | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Fensterbank, Garage, Schuppen | Licht, starke Temperatur- und Feuchteschwankungen | wenige Wochen bis Monate, mit hohem Risiko | nicht empfehlenswert |
| Dunkle Schublade im Wohnraum | dunkel, 18–22 °C, Raumluftfeuchte | einige Monate bis etwa ein Jahr | Samen für die nächste Growrunde |
| Luftdichte Box mit Silikagel im Schrank | dunkel, trocken, Raumtemperatur | ein bis zwei Jahre | mittelfristige Vorräte |
| Kühlschrank mit Silikagel, lichtdicht | 2–8 °C, trocken, dunkel, luftdicht | bis zu fünf Jahre | Vorräte, Sammlungen, Züchterlinien |
| Gefrierschrank, vakuumiert und sehr trocken | ca. −18 °C, extrem trocken | potenziell deutlich länger, bei Fehlern aber Totalverlust möglich | erfahrene Sammler und Züchter |
Keimfähigkeit ist kein Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Sie nimmt schleichend ab. Ein zu warm gelagerter Samen kann nach zwei Jahren durchaus noch keimen, nur eben langsamer, schwächer und mit geringerer Erfolgsquote. Gute Lagerung entscheidet also auch darüber, wie kräftig und zügig ein Samen startet.
Welche Samen du zuerst pflanzt und welche du lagerst
Bevor Samen ins Lager wandern, lohnt sich ein genauer Blick. Die äußere Schale, die Samenschale oder Testa, ist der Schutzpanzer des empfindlichen Embryos im Inneren. Solange sie intakt ist, hält sie Feuchtigkeit, Keime und mechanische Schäden fern.
Samen mit Rissen oder Beschädigungen an der Schale sind deutlich verwundbarer, weil Feuchtigkeit und Pilzsporen hier einen direkten Weg ins Innere finden. Solche Samen solltest du nicht einlagern, sondern bei der nächsten Gelegenheit als Erste keimen lassen. Ihre Chancen sind jetzt am besten und werden mit jedem Monat im Lager schlechter.
So prüfst du deine Samen
- Schale: Ist sie geschlossen, ohne Risse, Dellen oder abgeplatzte Stellen?
- Farbe: Reife Samen sind meist dunkelbraun bis grau, oft mit Tigerstreifen oder Marmorierung. Sehr helle, grünliche oder weiße Samen sind häufig unreif.
- Festigkeit: Ein gesunder Samen gibt bei leichtem Druck zwischen den Fingern nicht nach. Zerbröselt er, war er ohnehin nicht keimfähig.
- Schimmel oder Belag: Weißlicher Flaum oder dunkle Flecken sind Alarmzeichen. Diese Samen gehören nicht zu den anderen in die Box.
Mit Mittelmäßigkeit geben wir uns nicht zufrieden. Solltest du bei deinen Shottas-Samen dennoch einmal eine Beschädigung entdecken, melde dich direkt bei unserem Kundenservice. Wir kümmern uns darum.
Alte Samen wiederbeleben: Vorquellen mit Zusätzen
Manchmal taucht ganz hinten in einer Schublade ein vergessener Samen auf, ohne Etikett und mit unbekanntem Alter. Aufgeben musst du ihn nicht sofort. Ältere Samen brauchen beim Keimen oft etwas Starthilfe, weil ihre Schale über die Jahre härter geworden ist und ihre Reserven geschrumpft sind.
Der erste und schonendste Schritt ist das Vorquellen. Dabei legst du den Samen vor der eigentlichen Keimung in Flüssigkeit, damit sich die Schale mit Wasser vollsaugt und weicher wird. Bewährt hat sich kohlensäurehaltiges Wasser, das du mit einem dieser Zusätze anreichern kannst:
- Fulvosäure: ein natürlicher Bestandteil von Humus, der Nährstoffe bindet und für die Pflanze leichter verfügbar macht.
- Keimbooster: handelsübliche Präparate, meist mit Pflanzenextrakten, Aminosäuren oder Spurenelementen. Halte dich an die Dosierung des Herstellers.
- Wasserstoffperoxid (H₂O₂): Es gibt beim Zerfall Sauerstoff ab und wirkt leicht desinfizierend. Verwende es nur stark verdünnt, denn zu hohe Konzentrationen schädigen den Embryo.
- Gibberellinsäure: ein Pflanzenhormon, das die Dormanz bricht und die Keimung aktiv anregt. Sie ist schon in winzigen Mengen wirksam, also sparsam dosieren.
Nimm Wasser mit Raumtemperatur und lass die Samen darin etwa 12 Stunden an einem dunklen Ort quellen. Danach geht es mit deiner üblichen Keimmethode weiter, zum Beispiel mit der Küchenpapier-Methode oder direkt im Anzuchtmedium.
Mechanische Keimhilfen für besonders harte Schalen
Wenn Vorquellen allein nicht reicht, kannst du die Schale mechanisch schwächen. Fachleute sprechen von Skarifikation: Man verletzt die Samenschale gezielt, damit Wasser und Wärme leichter ins Innere gelangen. Arbeite dabei immer mit Gefühl, denn der Embryo liegt direkt unter der Schale.
Stufe 1: Anschleifen mit Sandpapier
Lege feines Sandpapier in eine kleine Streichholzschachtel oder falte es zu einer Tasche. Gib den Samen hinein und schüttle oder reibe ihn einige Sekunden lang sanft. Die Oberfläche soll danach nur leicht matt sein, nicht aufgerissen. Mach das direkt vor dem Vorquellen, damit das Wasser sofort durch die angeraute Schale dringen kann.
Stufe 2: Die Naht vorsichtig abtragen
Jeder Cannabissamen hat eine Naht, eine leicht erhabene Kante, an der sich die beiden Schalenhälften treffen. Auch sie verhärtet mit der Zeit. Mit einer scharfen Klinge, etwa einem Cuttermesser oder Skalpell, kannst du diese Kante vorsichtig abschaben. So bricht die Schale beim Keimen leichter auf.
Stufe 3: Der kleine Einschnitt
Als letzten Versuch kannst du einen winzigen Schnitt in die Schale setzen, am besten an der Seite und nicht an der Spitze, wo die Keimwurzel austritt. Ein Wundermittel ist das nicht. Beschädigst du den Embryo, keimt der Samen nie wieder.
Manche alten Samen keimen nicht, egal was du versuchst. Deshalb raten wir dir als Grower: Kauf nur so viele Samen, wie du in absehbarer Zeit wirklich pflanzen willst. Frische, gut gelagerte Samen sind jeder Rettungsaktion überlegen.
Häufige Fehler bei der Samenlagerung
Die meisten Keimprobleme mit gelagerten Samen gehen auf eine Handvoll typischer Fehler zurück, die sich leicht vermeiden lassen:
- Samen im Growraum aufbewahren: praktisch, aber durch Lampenwärme, schwankende Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit einer der ungünstigsten Orte überhaupt.
- Samen offen in den Kühlschrank legen: Ohne luftdichten Behälter ziehen sie Feuchtigkeit und Gerüche und werden bei jedem Öffnen der Tür beleuchtet.
- Kalte Behälter sofort öffnen: Das erzeugt Kondenswasser direkt auf den Samen. Lass Behälter aus Kühl- oder Gefrierschrank immer erst verschlossen auf Raumtemperatur kommen.
- Ständiges Herausnehmen und Zurücklegen: Jeder Wechsel zwischen kalt und warm ist Stress. Portioniere deinen Vorrat lieber vorher.
- Keine Beschriftung: Wer nicht weiß, was und wie alt ein Samen ist, kann weder planen noch die Keimfähigkeit richtig einschätzen.
- Gesättigtes Trockenmittel: Silikagel hat eine begrenzte Kapazität. Ist es voll, bindet es nichts mehr und die Feuchtigkeit in der Box steigt unbemerkt.
- Beschädigte Samen einlagern: Samen mit Rissen gehören in die nächste Keimrunde, nicht ins Langzeitlager.
Wer diese Punkte im Blick behält, hat das Wichtigste erledigt. Samenlagerung ist kein Hexenwerk, sie verlangt nur etwas Disziplin. Dann kommt die Genetik, für die du dich entschieden hast, so in deinem Garten an, wie sie gezüchtet wurde.
FAQ: Häufige Fragen zur Lagerung von Cannabissamen
Wie lagere ich Cannabissamen am besten?
Kühl, dunkel, trocken und luftdicht, und zwar möglichst konstant. Für wenige Monate reicht eine dunkle Schublade in einem Wohnraum mit stabiler Temperatur. Für mehrere Jahre kommen die Samen mit Silikagel in einem lichtdichten, verschlossenen Behälter in den Kühlschrank.
Wie lange bleiben Cannabissamen keimfähig?
Bei optimaler Kühlschranklagerung behalten gut ausgereifte Samen bis zu fünf Jahre eine hohe Keimrate. Bei Raumtemperatur ohne Schutz vor Feuchtigkeit sinkt die Keimfähigkeit deutlich schneller. Die Alterung verläuft schleichend: Ältere Samen keimen oft noch, aber langsamer und weniger zuverlässig.
Soll ich meine Samen in der Originalverpackung lassen?
Ja, wann immer es möglich ist. Die Verpackung schützt die Samen und liefert dir gleichzeitig alle Informationen zur Sorte. Übrig gebliebene Samen aus einer geöffneten Packung solltest du sofort in einen luftdichten, beschrifteten Behälter mit Trockenmittel umfüllen.
Ist der Kühlschrank wirklich besser als ein Schrank?
Für die Langzeitlagerung eindeutig ja, denn die niedrige Temperatur bremst den Stoffwechsel der Samen deutlich. Das gilt allerdings nur mit luftdichtem Behälter und Trockenmittel, weil Kühlschränke feucht sein können. No-Frost-Geräte und selten geöffnete Zweitkühlschränke sind ideal.
Kann ich Cannabissamen einfrieren?
Das ist möglich, für die meisten Grower aber nicht nötig. Einfrieren lohnt sich nur bei sehr trockenen, vakuumierten Samen in Einzelportionen. Nach dem Herausnehmen muss der verschlossene Behälter erst vollständig auf Raumtemperatur kommen, bevor du ihn öffnest, und ein zweites Einfrieren ist tabu.
Warum ist Luftfeuchtigkeit gefährlicher als Wärme?
Feuchtigkeit schadet auf zwei Wegen. Sie aktiviert den Stoffwechsel des Samens, der dadurch seine Reserven verbraucht, und sie schafft ideale Bedingungen für Schimmelpilze. Ein warmer, aber trockener Samen altert schneller, ein feuchter Samen kann dagegen innerhalb kurzer Zeit komplett verderben.
Was mache ich mit Samen, deren Schale Risse hat?
Lass sie so bald wie möglich keimen. Eine beschädigte Schale lässt Feuchtigkeit und Keime ungehindert ins Innere, deshalb verlieren solche Samen im Lager besonders schnell ihre Keimkraft. Samen von Shottas Seeds mit Beschädigungen meldest du direkt unserem Kundenservice.
Wie bekomme ich alte Samen doch noch zum Keimen?
Beginne mit 12 Stunden Vorquellen in kohlensäurehaltigem Wasser bei Raumtemperatur, gern angereichert mit Fulvosäure, Keimbooster, stark verdünntem Wasserstoffperoxid oder Gibberellinsäure. Hilft das nicht, kannst du die Schale vorsichtig mit Sandpapier anrauen oder die Naht mit einer Klinge abtragen. Bei sehr alten Samen gibt es allerdings keine Garantie.
Woran erkenne ich, ob mein Silikagel noch wirkt?
Viele Silikagel-Sorten enthalten einen Farbindikator, der bei Sättigung umschlägt, etwa von Orange zu Grün oder von Blau zu Rosa. Ohne Indikator hilft ein kleines Hygrometer in der Box. Gesättigtes Silikagel kannst du bei niedriger Temperatur im Backofen trocknen und wiederverwenden oder einfach ersetzen.
Unterscheidet sich die Lagerung von Autoflower- und photoperiodischen Samen?
Nein. Autoflowering-Samen, die dank ihrer Ruderalis-Genetik unabhängig von der Lichtdauer blühen, stellen dieselben Ansprüche an die Lagerung wie photoperiodische Samen. Für beide gilt: kühl, dunkel, trocken und luftdicht. Beschrifte die Behälter aber sauber nach Typ, denn die beiden Varianten brauchen im Anbau völlig unterschiedliche Lichtpläne.




